Folge
26

Florian Haller

Er führt Europas größte inhabergeführte Agentur. Und wettet alles auf KI

1970, ein Hinterzimmer in einem Modehaus in München, ein einziger Kunde. Und aus genau diesem einen Kunden baut ein Mann eine Agentur. Sein Sohn hätte die einfach nur weiterlaufen lassen können. Hat er nicht. Florian Haller hat aus dem, was sein Vater ihm hinterlassen hat, die größte inhabergeführte Agenturgruppe Europas gemacht. 6.500 Mitarbeitende, 27 Länder, fast 900 Millionen Umsatz.

Und er hat sich niemals an einen der großen Börsenkonzerne verkauft, obwohl er es locker hätte tun können.Ich hab mit Florian in seinem eigenen Haus gesessen, im House of Communication, und das war eines dieser Gespräche, wo du merkst, da sitzt keiner, der dir irgendwas verkaufen will. Der Mann redet einfach, wie er ist. Er erzählt mir ganz offen, dass er nie das Gefühl haben wollte, seit seinem fünften Lebensjahr für diesen einen Job großgezogen worden zu sein. Deswegen ist er erst zu Procter & Gamble gegangen, hat gemerkt, wie eng so eine Konzernhierarchie ist, und hat sich dann seinen eigenen Weg gebaut. Er macht seine Leute nicht zu Angestellten, sondern zu Partnern mit echten Anteilen an ihrer eigenen Agentur.

Und seinen drei Töchtern macht er null Druck, das Ding mal zu übernehmen. Die sollen machen, was sie wollen, und er meint das ernst.Wir reden über die Nächte, in denen er nicht schlafen konnte, weil er mitten in Corona ein riesiges neues Gebäude angemietet hat, ohne zu wissen, ob überhaupt noch jemand zurück ins Büro kommt. Wir reden darüber, warum er sagt, dass Marketing in der Krise zu kürzen der teuerste Fehler ist, den ein Unternehmen machen kann. Und wir reden über die Angst, die gerade viele in seiner Branche vor KI haben, und warum er da genau das Gegenteil fühlt, nämlich die größte Chance seit Jahren.